Stroke-Unit (Schlaganfall-Spezialstation)
Der Schlaganfall (engl. Stroke) ist ein Notfall bei dem es gilt, jede Verzögerung zu vermeiden. Mögliche (Früh-)Symptome sind u. a. akut (schlagartig) einsetzende Sprach- oder Sprechstörung, Sehstörungen im Sinne von Gesichtsfeldausfällen (einseitiger Blindheit oder Doppelbildern), Drehschwindel mit Nystagmus (Augenzittern), Halbseitenlähmungen, Gefühlsstörungen bzw. Störungen der Koordination und (seltener) stärkste vom Nacken ausstrahlende Kopfschmerzen. Ursache sind Durchblutungsstörungen des Gehirns (Hirninfarkt) oder Einblutungen in das Gehirn (Hirnblutung) bzw. die Hirnhäute (Sub- oder Epidural- bzw. Subarachnoidalblutung.)
Nur durch unmittelbare Einweisung in eine spezialisierte Klinik mit Möglichkeit der Schlaganfallbehandlung auf einer Schlaganfall-Spezialstation (Stroke-Unit) können innerhalb des sogenannten therapeutischen Zeitfensters von bis 4,5 Stunden spezielle Therapieverfahren wie die systemische Thrombolyse eingesetzt werden, die die Prognose entscheidend verbessern.
Es kommt also auf jede Minute an! Bei Symptomen eines Schlaganfalls sofort telefonisch den Notruf 112 wählen!
Stroke-Units sind Stationen mit speziell geschultem Personal und umfangreichen Möglichkeiten zur Patientenüberwachung und Diagnostik. Aus internationalen Studien ist bekannt, dass ein solches Behandlungskonzept den Behinderungs- grad und die Anzahl von Todesfällen nach einem Schlaganfall senkt und die Lebensqualität der betroffenen Patienten verbessert.
Zur Sicherung eines hohen Qualitätsstandards bei der Schlaganfallbehandlung ist es in Deutschland möglich, Stroke-Units von anerkannten externen Experten hinsichtlich ihrer Behandlungsmöglichkeiten und ihrer Behandlungsqualität beurteilen (zertifizieren) zu lassen. Hierbei sind zwei Qualitätsstufen erreichbar: Regionale und überregionale Stroke-Unit.
Seit 2010 ist die Stroke-Unit der Klinik für Neurologie als überregionale Stroke-Unit zertifiziert.
Hier erfolgt für Lüneburg und Umgebung die besonders schnelle und intensive Behandlung und Betreuung von Patienten mit einem Schlaganfall durch ein spezialisiertes, multiprofessionelles Team aus Ärzten, Fachkrankenschwestern, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden unter der Leitung eines Facharztes für Neurologie (Oberarzt/Chefarzt) mit besonderen Kenntnissen bei der Behandlung des Schlaganfalls. Pro Jahr werden in unserer Klinik mehr als 800 Patienten mit Schlaganfällen behandelt. In Lüneburg verfolgen wir das Konzept der „integrierten Stroke-Unit“: Bei Verlegung des Patienten von der „Stroke-Unit“ auf die „Normalstation“ bleibt das Behandlerteam, bestehend aus Oberarzt und betreuendem Assistenzarzt, Krankengymnast, Logopäde und Ergotherapeut, möglichst konstant, um das gesamte Wissen über den bisherigen Verlauf der Erkrankung nutzen zu können.
Das Ziel von Stroke-Units ist es, den Patienten eine rasche, intensive und vor allem optimale Diagnostik, Therapie und Betreuung zukommen zu lassen. Die Behandlung auf einer Stroke-Unit ermöglicht insbesondere:
- Eine intensive Überwachung der Patienten: Kontinuierlich werden alle sogenannten Basisparameter wie Blutdruck, Puls, Temperatur und Atmung mittels einer zentralen Monitoranlage überwacht.
- Eine rasche Einleitung weitergehender diagnostischer Maßnahmen wie Computer- bzw. Magnetresonanztomographie (CT/MRT), Doppler- und Farbduplexsonographie, EKG oder Echokardiographie.
- Die Durchführung besonderer therapeutischer Maßnahmen, wie z. B. der sogenannten systemischen Thrombolyse (intravenös) oder (in Kooperation mit dem Institut für Radiologie) der intraarteriellen lokalen Lyse oder der mechanischen, interventionellen Thrombektomie.
- Interventionelle Verfahren zur Beseitigung einer Gefäßengstelle (Stenting) in Kooperation mit dem Institut für Radiologie.
- Die sofortige Erkennung und Behandlung von Komplikationen.
- Eine enge Zusammenarbeit verschiedener medizinischer Disziplinen wie z. B. Neurologie, Innere Medizin/Kardiologie und Radiologie.
- Die, falls erforderlich, frühzeitige Einleitung einer Rehabilitation. Dazu gehört, neben früher Logopädie, Physiotherapie und Ergotherapie, in unserer Stroke-Unit die Einleitung der Weiterbetreuung der Patienten mit Hilfe unseres Sozialdienstes in einer Rehabilitationseinrichtung oder in unserer Geriatrie.
Durch die enge Kooperation mit den Rehabilitationskliniken in der Region bzw. mit der Geriatrie unseres Hauses, die in der Nachsorge von Schlaganfall-Patienten erfahren sind, ergibt sich eine lückenlose Versorgungskette für die Betreuung der Betroffenen.
Die Klinik für Neurologie nimmt am Qualitätssicherungsprojekt Schlaganfall Nordwestdeutschland unter Federführung des Instituts für Epidemiologie und Sozialmedizin der Universität Münster (in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schlaganfall-Register ADSR) teil und kann seit Jahren in allen wichtigen vergleichbaren Einzelpunkten gute bis sehr gute Ergebnisse vorweisen.




