Krankhafte Adipositas – welche Therapie für wen?

11.06.2019 - 19:00 Uhr bis 20:00 Uhr
Hörsaal im Hauptgebäude A | Ebene G1

Referent/in: Oberarzt Birger Martens, Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie, Stefanie Wirtz, Fachkoordinatorin des Adipositaszentrums Lüneburg, sowie Vertreter der Adipositas-Selbsthilfegruppe Lüneburg

Der Anteil stark übergewichtiger Menschen in Deutschland steigt kontinuierlich. Von Adipositas spricht man ab einem Body Mass Index (BMI) von 30. Bei einer Körpergröße von 1,75 m entspricht das 92 Kilo, bei einem BMI von 40 rund 123 Kilo. Adipositas entsteht durch eine übermäßige Anreicherung von Körperfett und gilt als chronische Erkrankung.

Nach Angaben der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG) ist knapp ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung im Alter von 18 bis 79 Jahren von dieser Volkskrankheit betroffen, das entspricht rund 19 Millionen Menschen. 15 Prozent aller Kinder und Jugendlichen sind übergewichtig. Alle Betroffenen haben ein deutlich erhöhtes Risiko für chronische Erkrankungen, bis hin zu einer geringeren Lebensqualität und Lebenserwartung.

Die meisten Menschen mit krankhaftem Übergewicht haben bereits eine langjährige Leidensgeschichte mit mehreren erfolglosen Diäten hinter sich. Viele erleben abschätzige Blicke oder unangemessene Bemerkungen aus dem Umfeld. Aus Scham ziehen sie sich immer mehr zurück. Die meisten wissen nicht, dass Adipositas nichts mit Charakterschwäche zu tun hat. Mögliche Ursachen des starken Übergewichts sind Bewegungsmangel und falsche Ernährung, aber auch Veranlagung, Folgen anderer Erkrankungen, Medikamentennebenwirkungen sowie seelische Einflüsse und noch nicht entschlüsselte Stoffwechseldefekte. Als Begleit- oder Folgeerkrankungen treten häufig Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettstoffwechselstörungen und sog. Schlafapnoe, Atemaussetzer während des Schlafens, auf. Durch eine gezielte Therapie können diese gebessert oder ganz zum Stillstand gebracht werden.

In die Sprechstunde des Adipositaszentrums Lüneburg können auch Patienten ohne OP-Wunsch kommen und stattdessen ausschließlich am sogenannten Multimodalen Konzept teilnehmen. Fachkoordinatorin Stefanie Wirtz begleitet sie durch die Therapie, von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Nachsorge. Für den Fall, dass eine Operation gewünscht wird und sinnvoll erscheint, hat sich am Klinikum Lüneburg die metabolische Chirurgie als Standardverfahren etabliert. Zum Operationsspektrum zählen Magenbypass, Magenschlauch sowie Umbauoperationen und Revisionen. Ein interdisziplinäres Team aus Chirurgen, Internisten, Ernährungstherapeuten und Pflegekräften kümmert sich umfassend um die Patienten.

Im Rahmen dieses Gesundheitsforums wird Stefanie Wirtz die Abläufe im Adipositaszentrum und das Multimodale Konzept vorstellen. Birger Martens erläutert die verschiedenen Operationsmöglichkeiten.

Im Anschluss stehen die Referenten gemeinsam mit Vertretern der Adipositas-Selbsthilfegruppe Lüneburg für die Fragen der Zuhörer zur Verfügung.