05.04.2017

Auszeichnung für Chefarzt des Klinikums Lüneburg

Prof. Bodo Schniewind erhält Innovationspreis der DGCH

Im Rahmen des diesjährigen Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) wurden Prof. Dr. med. Bodo Schniewind, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie des Klinikums Lüneburg, und Prof. Dr. med. Clemens Schafmayer, Leitender Oberarzt der Klinik für Allgemeine, Viszeral-, Thorax-, Transplantations- und Kinderchirurgie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Kiel, mit dem Felicien Steichen Preis geehrt.

Dieser Innovationspreis der DGCH wird für besondere Leistungen im Fachgebiet der viszeralchirurgischen Operationstechniken verliehen. Prof. Schniewind und Prof. Schafmayer erhielten den Preis für ihre wegweisenden Entwicklungen und Veröffentlichungen zur endoskopischen Vakuumtherapie bei Speiseröhrenperforation und beim Undichtwerden bzw. Aufreißen von Nahtverbindungen (sogenannten Anastomosen) nach Speiseröhrenentfernung. Der Fachbegriff Anastomose bezeichnet die Neuverbindung zwischen anatomischen Strukturen nach teilweiser oder ganzer Entfernung eines Organs, im Fall der Speiseröhre meistens die neue Verbindung zwischen Schlund und Magen. Wenn es nach einer solchen Operation zu Undichtigkeiten an der Nahtstelle oder anderen Leckagen kommt, können die Folgen für die Patienten schwerwiegend sein. Beispielsweise kann sich eine lebensgefährliche Sepsis (Blutvergiftung) entwickeln, auf jeden Fall werden weitere Operationen notwendig.

Prof. Schniewind und Prof. Schafmayer hatten bereits 2006 während ihrer gemeinsamen Tätigkeit am Universitätsklinikum in Kiel eine neue Behandlungsmethode mit Hilfe eines endoskopisch gelegten Vakuumverbandes für diese postoperative Komplikation entwickelt. In den darauffolgenden Jahren konnten sie die Methode systematisch verbessern und ihre Wirksamkeit in Studien belegen. Im Jahr 2014 brachte die Firma B. Braun Melsungen ein neuartiges Vakuumschwamm-Verbandsystem auf den Markt, das gemeinsam mit den beiden norddeutschen Medizinern entwickelt wurde. Innerhalb kürzester Zeit stieß die sogenannte endoluminale Vakuumtherapie auf großes Interesse und wurde in deutschen Kliniken bereits 15.000-mal eingesetzt. 2017 wurden Methode und Produkt in der Schweiz und in Österreich eingeführt.

Die endoluminale Vakuumtherapie hat die Sterblichkeitsrate nach Perforation und postoperativen Undichtigkeiten im Bereich der Speiseröhre maßgeblich gesenkt. Diesen Erfolg würdigte die DGCH durch die jetzt stattgefundene Preisverleihung. „Das Projekt der beiden sympathischen Chirurgen ist ein tolles Beispiel für praxisnahe Forschung, mit einem auch für Laien unmittelbar nachzuvollziehenden Nutzen für unsere Patienten. Wir freuen uns mit den beiden und sind froh, dass Herr Prof. Schniewind zu unserem Chefärzte-Team hier in Lüneburg gehört“, sagt Dr. med. Jörg Cramer, Ärztlicher Direktor des Klinikums Lüneburg und Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie.