23.11.2020

Schonende Therapieverfahren mit modernster Technik

Klinikum Lüneburg weiht neuen Bereich der Kardiologie und Radiologie ein

Das Klinikum Lüneburg hat einen nächsten Meilenstein zur modernen und zukunftsfähigen Ausstattung des Hauses erreicht: Nach sieben Monaten Umbau- und Renovierungszeit konnten jetzt drei neue Katheterarbeitsplätze für modernste Therapieverfahren in der Kardiologie und Interventionellen Radiologie in Betrieb genommen werden. „Wir haben vier Millionen Euro investiert, um unter anderem die Diagnose und Therapie von Herzerkrankungen noch weiter zu verbessern“, sagt Dr. Michael Moormann, Geschäftsführer des Klinikums. „Besonders stolz sind wir dabei auf die Anschaffung eines Angiographiesystems der neuesten Generation. Es wird das therapeutische Spektrum unseres Hauses für zahlreiche Erkrankungen auf Universitätsniveau erweitern.“

Von links: Prof. Dr. med. Thomas Rodt, Chefarzt des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Prof. Dr. med. Christian Weiß, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, und Dr. Michael Moormann, Geschäftsführer des Klinikums Lüneburg

Das neue Angiographiesystem nutzt die Technik der sogenannten „Zwei-Ebenen-Digitalen-Substraktionsangiographie (DSA)“. Hinter diesem für Laien kaum verständlichen Fachbegriff verbirgt sich die derzeit modernste Möglichkeit der bildlichen Darstellung einzelner Blutgefäße in praktisch jedem Teil des menschlichen Körpers. Über spezielle und zum Teil hochfeine Katheter lassen sich auch kleinste Arterien und Venen mithilfe von Kontrastmitteln sichtbar machen. Überlagernde Strukturen, wie beispielsweise Knochen oder Weichteile, werden durch einen computergestützten Rechenprozess aus dem Bild entfernt. Neben der exakten Darstellung einzelner Gefäße liefert das System auch Informationen über den Blutfluss. Selbst kleinste Gefäßveränderungen können so lokalisiert und behandelt werden.

„Das kommt uns beispielsweise bei der Schlaganfallbehandlung zugute“, erklärt Prof. Dr. Thomas Rodt, Chefarzt des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, „bei der sogenannten Thrombektomie entfernen wir das verstopfende Blutgerinnsel mit einem Mikrokatheter, der über eine Leistenarterie bis in die Hirngefäße geschoben werden kann – punktgenau zum Ort des Gefäßverschlusses.“

Mithilfe der Angiographie können alle Arten von Gefäßerkrankungen, z. B. Verengungen, Aussackungen oder Verschlüsse, präzise sichtbar gemacht und oft direkt behandelt werden. Auch in der Krebstherapie setzt die Technik neue Maßstäbe: Durch die bildliche Darstellung und den Verschluss der zuführenden Blutgefäße können beispielsweise kleinste, nicht operierbare Tochtergeschwulste (Metastasen) in der Leber unschädlich gemacht werden.

Alle drei neuen Katheterarbeitsplätze zeichnen sich durch besonders strahlenschonende Techniken aus, wovon Patienten und Behandler gleichermaßen profitieren. Auch Kontrastmittel werden im Vergleich zu früher in deutlich geringerer Menge benötigt.

„Neben diesen Vorteilen der schonenderen Verfahren sind insbesondere die neuen, großen Monitore mit ihren vielfältigen Darstellungsmöglichkeiten und der extrem guten Bildqualität von großer Bedeutung“, erläutert Prof. Dr. Christian Weiß, Chefarzt der Klinik für Kardiologie. „In unserem Zentrum für Herzrhythmusstörungen arbeiten wir bereits seit elf Jahren erfolgreich mit einem Herzkathetermessplatz in der Therapie der Koronaren Herzkrankheit und von Herzinfarkten. Ein zweiter Katheterarbeitsplatz für elektrophysiologische Untersuchungen dient der gezielten Behandlung von Herzrhythmusstörungen. Die neuen Geräte erlauben eine nahezu plastische zwei- und dreidimensionale Darstellung des Herzens. Wir können mehrere Bildinformationen am Monitor übereinanderlagern. Das schafft eine perfekte Grundlage für die Entscheidungsfindung und Durchführung der Therapie, beispielsweise der Öffnung und Stabilisierung eines verschlossenen Herzkranzgefäßes mithilfe eines gefäßstützenden Stents.“

Die am Klinikum Lüneburg etablierten und jetzt erweiterten minimal-invasiven Therapieverfahren kommen auch älteren Patienten besonders zugute, die häufig mehrere chronische Erkrankungen und ein höheres Operationsrisiko haben. Kleine Schnitte zum Einführen des Katheters in ein Blutgefäß an Leiste, Handgelenk oder Hals sowie geringere Schmerzen unterstützen eine schnelle Genesung.

„Neben den beteiligten Firmen und Gewerken gilt mein großer Dank einmal mehr allen Kolleginnen und Kollegen im Klinikum Lüneburg, deren Engagement auch diese Baumaßnahme im laufenden Betrieb und ohne Einschränkungen in der Patientenversorgung erst möglich gemacht hat“, betont Dr. Michael Moormann. Ursprünglich sollte der neue Bereich im Rahmen einer feierlichen Einweihung in Betrieb genommen werden. Wegen der aktuellen Corona-Situation ist das nicht möglich.