Funktionsdiagnostik Gastroenterologie

Die gastroenterologische Funktionsdiagnostik verfügt über ein umfangreiches Repertoire zur Untersuchung von Verdauungs- und Stoffwechselvorgängen überwiegend des Magen- und Darmtraktes als mögliche Ursache von Funktionsstörungen. Damit werden insbesondere Beschwerden wie Sodbrennen, z. T. chronischer Reizhusten und sonst nicht erklärbare Asthma-Anfälle, anhaltende Bauchsymptome wie Blähungen (Meteorismus), Übelkeit, Durchfälle (Diarrhoe), abgehende Winde (Flatulenzen), Bauchschmerzen sowie Schluckstörungen (Dysphagie) und Stuhlinkontinenz hinsichtlich ihrer Ursache abgeklärt. Sie ergänzen endoskopische und feingewebliche (histologische) Untersuchungen von Speiseröhre, Magen, Dünn- und Dickdarm.

Eine weitere Ergänzung der Diagnostik von Erkrankungen des Verdauungstraktes stellt die Videokapselendoskopie dar, die durch detaillierte Aufnahmen von Magen und Dünndarm mögliche Blutungsquellen, Entzündungen, Schleimhautveränderungen oder Tumore detektieren kann.

Nach Terminvereinbarung können auf Überweisung oder nachstationär folgende Untersuchungen ambulant durchgeführt werden:

Was bedeutet das?

Anhand einer Druckmessung in der Speiseröhre werden die Funktionen des unteren Speiseröhrenschließmuskels am Mageneingang und der Schluckmuskulatur überprüft. Sie ist sinnvoll durchzuführen bei Sodbrennen und Schluckstörungen, aber auch unklaren Fällen von asthmatischen Beschwerden und Kehlkopfentzündungen als Vorbereitung für eine pH-Metrie.

Für diese Untersuchung muss der Patient lediglich mindestens 6 Stunden nüchtern bleiben und kann anschließend wieder normal essen und trinken. Sie dauert etwa 30-45 Minuten. Eine örtliche oder allgemeine Betäubung ist nicht erwünscht.
Dafür wird ein nur 2 mm dicker flexibler Messkatheter durch die Nase oder selten den Mund bis in den Magen eingeführt, was in aller Regel durch gleichzeitiges Trinken gut vertragen wird.

Unter kontinuierlicher Registrierung und PC-gestützter Speicherung des Drucks in allen Abschnitten der Speiseröhre wird die Sonde anschließend zentimeterweise zurückgezogen. Zu bestimmten Zeitpunkten sind Wasserschlucke oder tiefe Atemzüge nötig. Anhand der aufgezeichneten Kurvenverläufe und nachfolgender PC-gestützter Analysen können Rückschlüsse auf die Funktionsweise der Speiseröhre gezogen werden.
Beispielsweise kann festgestellt werden, ob der untere Schließmuskel einen erniedrigten (Sphinkterinsuffizienz) oder erhöhten Druck (z. B. bei Achalasie) aufweist. Zum anderen können permanente oder vorübergehende Schluckstörungen festgestellt werden.

Was wird dabei gemacht?

Eventuell eingenommene Medikamente zur Magensäure-Behandlung müssen mindestens 14 Tage abgesetzt werden.

Nach Durchführung der Ösophagusmanometrie wird durch ein Nasenloch eine nur 1,2 mm dicke pH-Messsonde eingeführt und an definierten Lokalisationen so platziert, dass die pH-Werte in Magen und Speiseröhre simultan über etwa 24 Stunden gemessen sowie auf einem kleinen tragbaren Digitalrekorder aufgezeichnet werden können.

Während dieser Registrierungszeit sollen die Patienten in gewohnter Weise essen und trinken, liegen/schlafen sowie leichte Alltagstätigkeiten durchführen. Diese Aktivitäten und mögliche Beschwerden müssen in einem entsprechenden Protokoll notiert werden, um sie bei der anschließenden Auswertung der pH-Werte zu berücksichtigen.

Anhand der Auswertung dieser Daten kann festgestellt werden, ob saurer Reflux (Rückfluss von saurem Mageninhalt) und damit eine sog. Gastroösophageale Refluxerkrankung (GERD) besteht oder nicht. Das Ausmaß von GERD und die Symptomatik sind entscheidende Faktoren, um eine therapeutische Empfehlung (medikamentöse oder chirurgische Therapie) auszusprechen.

Wozu dient diese Untersuchung?

Mit der Analmanometrie (Druckmessung im Enddarm) wird die Funktionsweise des Schließmuskels des Enddarms geprüft. Diese Untersuchung ist sinnvoll durchzuführen z. B. bei Stuhlinkontinenz oder dauerhafter Obstipation (Verstopfung). Zu diesem Zweck wird ein spezieller Messkatheter rektal eingeführt.

In dem Untersuchungsgang werden neben der Vermessung der Analkanallänge als Merkmale der Funktion der Ruhe- und Kneifdruck sowie der rektoanale Inhibitionsreflex (RAI) gemessen. Letzterer erfasst die reflektorische Erschlaffung des Schließmuskels bei Dehnung im Enddarm.

Darüber hinaus können je nach Fragestellung zusätzliche Messungen durchgeführt werden, wie beispielsweise die Prüfung der Sensorik (Wahrnehmung von Dehnungszuständen in der Rektumampulle) und der Stuhlentleerung.
Bei Bestätigung einer Stuhlinkontinenz kann eine Behandlung mittels Biofeedback-Verfahren eingleitet werden mit dem Ziel der Verbesserung der Schließmuskelfunktion.

Dabei wird eine Einheit aus Lichtquelle, Videokamera und Sender in Form und Größe einer Medikamentenkapsel mit einem Schluck Wasser verschluckt. Zuvor werden 8 flache Antennen in einer bestimmten Anordnung auf den Bauch geklebt, wie es den meisten Patienten von einem Langzeit-EKG bekannt ist.

Die Kamera sendet über 10 bis 12 Stunden kontinuierlich hochauflösende Fotografien vom Magen-Darm-Trakt an einen tragbaren Rekorder, die nach der Rückgabe des Gerätes als digitaler Videofilm an einem Computer ausgewertet werden können. Bei der Kapsel handelt es sich um einen teuren Einmalartikel, der nach der natürlichen Ausscheidung in den Tagen nach der Untersuchung in den Müll geworfen wird. Denn die Batteriekapazität ist dann erschöpft.

Dieses Verfahren dient bislang ausschließlich zur Beurteilung der Dünndarmschleimhaut, insbesondere bei dem Verdacht auf eine dort lokalisierte Blutung. Es stellt keinen Ersatz für eine Krebsvorsorge-Koloskopie (Darmspiegelung) oder Magenspiegelung dar.

Weitere Funktionstests, wie z. B. H2-Exhalationstests mit Glucose, Laktose, Fruktose, Xylose, Sorbit sowie verschiedene 13C-Harnstoff-Atemtests ( z. B. zur Feststellung einer Helicobacter-pylori-Besiedelung der Magenschleimhaut) werden über das Ambulanzzentrum | Gastroenterologie angeboten, Terminvereinbarung unter Tel. 04131 77 2123.

Ihr Ansprechpartner

Porträt von Dr. Andreas Müller

Dr. med. Andreas Müller

Oberarzt

Facharzt für Innere Medizin und Gastro-
enterologie, Notfallmedizin

Zuständigkeiten:
Leitung Funktionsdiagnostik Gastro-
enterologie
Endoskopie