04.05.2017

Geburtshilfe in Gefahr

Hebammenmangel ist Thema des Internationalen Hebammentags

Bundesweit wird es für werdende Mütter immer schwieriger, eine Hebamme für die intensive Versorgung und persönliche Betreuung vor, während und nach der Geburt zu finden. Wegen geringer Bezahlung und extrem gestiegener Versicherungsbeiträge müssen immer mehr freiberufliche Hebammen ihre Tätigkeit aufgeben. Gleichzeitig gibt es immer weniger geburtshilfliche Abteilungen in Deutschlands Krankenhäusern. In Großstädten werden Gebärende an überfüllten Kreißsälen sogar trotz Wehen abgewiesen. Der zunehmende Hebammenmangel ist auch in Lüneburg spürbar. Deshalb melden sich die Frauenklinik des Klinikums und die freiberuflichen Hebammen in Lüneburg anlässlich des Internationalen Hebammentags am 5. Mai 2017 gemeinsam zu Wort.


Setzen sich gemeinsam für bessere Bedingungen der Geburtshilfe in Deutschland ein: Freiberufliche Hebammen und die Hebammen des Klinikums Lüneburg.

„Die große gesellschaftliche Wertschätzung von uns Hebammen steht im deutlichen Gegensatz zur unzureichenden Bezahlung“, beschreibt Iris Labatz, Vorsitzende der freiberuflichen Hebammen in der Region Lüneburg, die aktuelle Situation. „Steigende Geburtenzahlen und zu wenig Nachwuchs an ausgebildeten Hebammen führen zu immer mehr Arbeitsbelastung. Viele von uns müssen deshalb schon lange vor dem eigentlichen Rentenalter aus ihrem Beruf ausscheiden.“ Dabei sei die Arbeit der Hebammen ein unersetzlicher Bestandteil guter Geburtshilfe. Auch viele Mütter würden betonen, wie wertvoll und hilfreich schon der Geburtsvorbereitungskurs gewesen sei. Denn Hebammen informierten realistisch, ohne Angst zu machen. Und durch die geborgene Atmosphäre während einer Geburt, die vertrauens- und respektvolle Zusammenarbeit von Hebammen und Ärzten könne man sich beruhigt fallen lassen.

Dieser positiven Beurteilung steht die Abnahme geburtshilflicher Abteilungen gegenüber. Gab es im Jahr 1991 noch 2.411 Kliniken in Deutschland mit 1.186 Abteilungen für Geburtshilfe (entspricht einem Anteil von 49 Prozent), waren es 2015 noch 1.956 Kliniken mit insgesamt 709 Abteilungen für Geburtshilfe, also einem Anteil von nur noch 36 Prozent.

„Trotz der seit Jahren bestehenden drastischen Unterfinanzierung der Geburtshilfe in Deutschland profitiert die Geburtshilfe am Klinikum Lüneburg von der qualitativ hochwertigen Betreuung und Leidenschaft unseres hoch motivierten Teams“, sagt Prof. Dr. med. Peter Dall, Chefarzt der Frauenklinik. „Die Arbeit der Hebammen und des gesamten Teams verdient großen Dank und Wertschätzung.“ Am Klinikum Lüneburg werden Gebärende nicht abgewiesen. Dafür wurde das Personal aufgestockt, zusätzliche Dienste wurden eingeführt und eine Rufbereitschaft am Wochenende eingerichtet.

Die bisher noch ungefährdete Geburtshilfe in Lüneburg zeichnet sich auch durch das Perinatalzentrum Level 1 aus, in dem selbst kleinste Frühgeborene versorgt werden können und dessen Einzugsgebiet weit über die Grenzen der Region hinausreicht. „Um die hochwertige Betreuung jederzeit gewährleisten zu können, tauscht sich unser Team der Kreißsaalhebammen regelmäßig mit der Entbindungsstation und den Ärzten aus“, erläutert die Leitende Hebamme Antje Kuhrau. „Außerdem hat es Tradition, dass wir jährlich die freiberuflichen Hebammen zu einem Treffen ins Klinikum einladen. Dieser gemeinsame Nachmittag verbessert sowohl das gegenseitige Verständnis als auch die Kommunikation und fand in diesem Jahr am 3. Mai statt.“ Auch die freiberuflichen Hebammen sind untereinander gut vernetzt. Geburten sind auch mit dem „Hausgeburtsteam Hand in Hand“ oder im Geburtshaus möglich. Zurzeit erarbeiten die Hebammen ein Nachsorgekonzept für Wöchnerinnen während der Ferienzeiten, und sie werden eine Hebammensprechstunde im Geburtshaus anbieten.

Das Klinikum strebt eine 1:1-Betreuung der Hebammen für Mütter während der Geburt an, die auch vom Deutschen Hebammenverband gefordert wird. Diese intensive Geburtsbetreuung, das ausreichende Vorhalten von Hebammen und Ärzten sowie die angemessene Bezahlung freiberuflicher Hebammen sind kostenintensiv. Dafür wird eine deutlich verbesserte Finanzierung der Geburtshilfe in Deutschland dringend benötigt.

Darauf möchte das Klinikum gemeinsam mit den freiberuflichen Hebammen der Region Lüneburg anlässlich des Welthebammentags 2017 aufmerksam machen.